Konzert- und Conventionberichte, Fotos & Spielerezensionen   

Festivalbericht Rockharz 2026


Nun ist es an der Zeit einmal unsere Eindrücke und Erlebnisse vom Rockharz 2026 „kurz“ wiederzugeben.
Im Vorfeld war bei uns die Vorfreude groß, denn es hatten sich einige Bands in das Billing geschlichen, die wir sehr gerne sehen und erleben wollten.
Außerdem hat das Rockharz einen ganz besonderen Charme.
Es fühlt sich an wie nach Hause kommen, wie Familie und dieses Gefühl vermitteln nicht alle Festivals.
In unserem Falle bestand diese Familie aus Fotografen und Pressevertreter, Bands, Grabenschlampen, Crew, Helfer und einigen Besuchern, die wir über die Jahre hinweg immer wieder antreffen. Wenn nicht hier, wo dann!?
Und so starteten wir voller Vorfreude am Mittwochmittag gen Ballenstedt.
Nach einer Staufreien Anreise und viel zu früh trafen wir auf dem Tagesparkplatz auch schon ersten Bekannten und ein erstes „Willkommens-Bier“ wurde direkt auf dem Parkplatz zu sich genommen.
Das Check-in verlief auch wieder einmal reibungslos und so sahen wir uns wenig später bereits im Pressebereich wieder, um die ersten Kollegen in die Arme zu schließen.
Kurz zuvor kam noch ein Regenschauer und kleines Gewitter vorbei, nur um danach der Sonne wieder Platz zu machen. Es war also angerichtet.
Bereits um 15:30 Uhr sollte es losgehen und mit Heavysaurus war ein Opener gefunden, der bei Groß und Klein gut ankommen sollte.
Zeitgleich passierte aber am Autogrammstand etwas Außergewöhnliches.
Keine Band hatte dort sein Stelldichein, nein es waren die netten und hilfsbereiten Jungs der Grabenschlampen, die dort für Fotos, Autogramme und einem kleinen Plausch zur Verfügung standen.
Seien wir mal ehrlich, die Herren haben teilweise einen harten Job, wenn Sie im Graben die Crowdsurfer entgegennehmen und für jegliche Hilfe Ansprechpartner sind.
Sie sorgen für Sicherheit und das immer mit einem Lächeln auf den Lippen und zu jedem Blödsinn bereit. Und so war die Schlange beim Autogrammstand auch nicht klein.
Ehre, wem Ehre gebührt!
Während die Grabenschlampen also fleißig am Autogrammstand waren, zog an uns eine Karawane von Kindern aus dem VIP und Backstagebereich in Richtung Bühne vorbei.
Diese Kids hatten das Vergnügen, nicht nur einen Blick hinter die Kulissen werfen zu dürfen, sondern auch in einem eigens für abgesperrten Areal vor der Bühne zu den Klängen von Heavysaurus ausgelassen zu rocken.
Und pünktlich startete dann auch die musikalische Früherziehung und die Dinosaurier von Heavysaurus betraten die Bühne, die einmal mehr bewiesen, dass Metal keine Altersgrenze kennt
Für einen Opener war das Infield schon verdammt gut gefüllt und man hätte meinen können, der Headliner steht auf der Bühne. Stattdessen gab es Songs wie „Kaugummi ist Mega!“ und „Pommesgabel“, die zwischen Luftgitarren, hüpfenden Kindern, mitsingenden Eltern und moschenden Metallern über das Infield hallten.
Einer super Einstieg und nicht nur den Kids hatte es definitiv gefallen.
Danach ging es rüber zur Rock Stage, wo Soulbound mit Metalcore eine, gelinde gesagt, sanfte Stufe höher schalteten.
Ein energiegeladener Auftritt der Bielefelder, der zu den ersten Circle Pits des Festivals führte.
Besonders die intensive Bühnenpräsenz der Band zog viele Zuschauer in ihren Bann und machte Lust auf die kommenden Tage.
Harakiri for the Sky am sonnenbeschienenen Tage? Geht das?
Zu ungewohnter Tageszeit fanden sich die österreichischen Post-Black-Metaller wieder, was aber nichts an der Bühnenpräsenz änderte.
Lange Instrumentalpassagen, emotionale Melodien und eindringliche Vocals verlangten Aufmerksamkeit und belohnten diese mit einem ebenso intensiven wie bewegenden Konzert.
Harakiri for the Sky bewiesen eindrucksvoll, dass ihre Musik auch im Sonnenlicht funktioniert und ließen die Besucher wie in einen dunklen Schleier in ihre Musik eintauchen.
Es ging hier auch wirklich Schlag auf Schlag weiter.
Wir waren mittlerweile schon bei der vierten Band angekommen und die Zeit rauschte nur so dahin, wie wir mehrmals während dieser vier Tage mitbekommen sollten. So ist es nun mal, wenn man sich wohlfühlt.
Während wir noch bei der letzten Band eher schwere, tragende Klänge hörten, änderte sich das mit The Haunted aus Göteborg schlagartig.
Die Zeit für Nackenschmerzen war angebrochen und die Schweden gaben auch sofort richtig Gas.
Kompromissloser Thrash- und Death-Metal-Angriff mit Präzisen Riffs, enormer Geschwindigkeit und einer unglaublichen Spielfreude machte allen schnell klar, warum The Haunted seit Jahrzehnten zur Speerspitze des Genres gehören. Ein fantastischer Auftritt der Jungs der für viel Bewegung bei den Besuchern sorgte und mit viel Beifall frequentiert wurde.
Danach ging es in ferne Zeiten, denn mit Ensiferum stand eine Folk Metal Band auf der Bühne, die ihre Daseinsberechtigung in dem Genre schon sehr lange bewiesen hatten.
Die Finnen waren bestens aufgelegt und spielten ihre Mischung aus Melodie, Härte und nordischen Sagen. Hymnische Refrains, treibende Melodien und epische Gitarren sorgten für ausgelassene Stimmung und die ersten Trinkhörner wurden zum Jubel in die Höhe gerissen. Spätestens beim Song „Lai Lai Hei“, war kein Nacken mehr sicher!
Als die Sonne langsam tiefer sank, übernahmen Paradise Lost die Rock Stage. Die britischen Gothic-Metal-Pioniere setzten auf Atmosphäre statt Geschwindigkeit. Schwere Gitarren, melancholische Melodien und die markante Stimme von Nick Holmes verliehen dem Abend eine beinahe mystische Stimmung. Bei Songs wie „One second“ oder „True Belief“ zeigten die Jungs, welches Hitpotential diese Band über die Jahrzehnte hinweg entwickelt hatten.
Danach sollte es richtig krachen.
Zakk Wylde kam auf die Bühne, drei Actionfiguren von den Wrestlern Berzerker und Ultimate Warrior und von Ozzy Osbourne, dessen Gittarist er ja war, in der Hand und filmte die Menge. Dazu hatte er eine Gesichtsmaske ähnlich dem Facepainting des Ultimate Warriors aufgesetzt.
Damit ward er Startschuss gefallen und was danach kam, kann man nur als fantastisch bezeichnen.
Vorerst drang aber noch ein geremixtes „War Pigs“ als Opener aus den Boxen, was für einen gewissen melancholischen Moment sorgte.
Als Zakk Wylde dann aber mit seiner charakteristischen Bullseye-Gitarre die Bühne betrat, wusste jeder: Jetzt geht‘s los!
Black Label Society lieferten genau das, was man erwarten durfte. Schwere Southern-Riffs, endlose Soli und jede Menge Groove bestimmten das Bild. Zakk Wylde dominierte das Geschehen mit seinen unverwechselbaren Gitarrensoli und seinem charismatischen Auftreten. Immer wieder peitschte er die Menge an und ich habe selten so eine Energie auf der Bühne gesehen.
Nach diesem grandiosen Auftritt stand die Frage im Raum: Wer sollte das noch toppen!?
Aber ja, es ging, denn als Nächstes stand ja der Headline rauf dem Programm und das waren niemand geringeres als Helloween!
Helloween präsentierten eine energiegeladene Reise durch ihre jahrzehntelange Bandgeschichte.
Songtechnisch wurde dabei kaum etwas ausgelassen und von „Dr. Stein“ über „Future World“ bis hin zu „I want out“ und den vielen anderen bekannten Songs, war alles, was Hit- und Mitsingpotenzial hatte, abgefeuert worden.
Michael Kiske und Andi Deris waren super aufgelegt und eingespielt und die Bühnenpräsenz der beiden zusammen mit der restlichen Band war ein Augenschmaus.
Tausende Stimmen sangen jede Zeile mit, während Gitarrenduelle und hymnische Refrains das Infield in einen gigantischen Chor verwandelten. Der Auftritt bestätigte eindrucksvoll den Status der Hamburger als eine der bedeutendsten deutschen Metalbands, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus.
Der Headliner hatte also geliefert und freudige Gesichter in der Menge hinterlassen.
Doch eine Band sollte noch kommen und was hilft da bei nächtlicher Stunde gegen die aufkeimende Müdigkeit: Richtig! Folk-Bluegrass-Country-Versionen bekannter Metalsongs.
Was nichts anderes hieß, als dass die Finnen Steve ‚n‘ Seagulls die Bühne enterten.
Bewaffnet mit Banjo, Gitarre und Akkordeon, wurden bekannte Songs von Metallica, Manowar und Co. mit einer Prise Humppa und Folk versehen gespielt. Diese sorgten dafür, dass die Menge noch einmal die letzten Reserven mobilisierten und mitsangen so gut es noch ging.
Nach einem langen Festivaltag war genau diese Mischung aus musikalischem Können und augenzwinkernder Unterhaltung der perfekte Ausklang.
Alles in allem hatte der erste Rockharz Tag schon einmal die Marschrichtung vorgeben und gut vorgelegt. Das musste erst einmal in den nächsten Tagen getoppt werden und so war der Auftrag klar. Es sollte nur nach vorn gehen.
Wir fuhren, da wir mittlerweile zu alt fürs Zelten sind, in unsere Pension nach Quedlinburg und ließen auf der Rückfahrt unsere ersten Eindrücke Revue passieren.
Und wir waren uns kurz und bündig einige: ein super Start!
Der Donnerstag startete sonnig und früher als am Eröffnungstag.
Bereits um 11:50 Uhr sollte der Opener Final Cry auf der Bühne stehen.
So ein Opener hat es ja nie wirklich leicht, schon gar nicht auf einem Festival. Die eine Hälfte der Besucher liegt noch komatisiert im Zelt, wird grad wach oder taumelt noch verschlafen über das Infield. Zumeist spielt dann die erste Band nur vor einer Handvoll Menschen.
Nicht hier!
Es war voll und Final Cry verzichteten auf große Gesten und setzen stattdessen auf kompromisslosen Old-School-Thrash, den sie von Anbeginn zelebrierten. Man merkte der Band an, das dies hier ein Highlight ihrer Karriere war und Sänger Kai bedankte sich für die Chance hier spielen zu dürfen und bei den Besuchern, die so zahlreich das Infield bevölkerten. Die Harzer Thrash-Institution bewies einmal mehr, dass ehrlicher Metal keine Pyro und Videowände braucht. Ein gelungener Start und Wachmacher in den zweiten Festivaltag!
Nachdem die Gehörgänge nun auf Betriebstemperatur sein sollten, ging es rüber zur Rock Stage, wo „Die Habenichtse“ als Nächstes an der Reihe waren.
Lieder die Geschichten aus ihrem Leben als Schnorrer und Taugenichtse erzählen, immer mit einem Augenzwinkern, doch auch mit einer tieferen Botschaft, erklangen dort auf der Bühne. Irgendwo zwischen Punk, Rock und einer Prise Humor angesiedelt, gingen die eingängigen Refrains ins Ohr und sorgten bei freudigen Gesichtern der Fans.
Die nächste Band ist für etwas, was vor allem durch die sozialen Medien bekannt wurde.
Etwas, was ich nie auf einem Rockfestival erwartet hätte, aber es funktionierte.
Mittel Alta verwandelten die Dark Stage in eine Mischung aus Mittelaltermarkt, Elektro, Hip-Hop und Moshpit, wobei hier vor allem musikalisch viel aus der Konserve kam. Nicht der Gesang, aber die mittelalterlichen Dudelsäcke etc. Ansonsten wurde der „Gelbe Schein“ besungen oder zu einem der bekannteren Songs „Ficket euch“ mitgegröhlt.
Fans dieser musikalischen Ergüsse kamen auf ihre Kosten und auf der Bühne war einiges los und dementsprechend auch zu sehen.
Danach kam es zu einem extremen Stilbruch.
Grad noch Mittalter-Elektro-Metal mit Sprechgesang und nun Power-Metal aus Japan.
Hagane, die japanischen Power-Metal-Newcomer überzeugten mit technischer Präzision und sympathischer Ausstrahlung. Technisch präzise, mit enormem Tempo und viel Charme präsentierte sich die Band einem neugierigen Publikum, das die Musikerinnen mit lautem Applaus empfing.
Ein super Set und wirklich nette Musikerinnen, die optisch und musikalisch überzeugten.
Wieder einen Sprung ins nächste Genrebecken und wir befanden uns bei düsteren Klängen.
Stahlmann aus Göttingen präsentieren kühle Industrial-Riffs, martialische Bühnenpräsenz und schwere Gitarren.
Optisch wie akustisch lieferte die Band genau das, was Fans erwarteten: Druck, Präzision und eine düstere Atmosphäre. Die Band bekam viel Applaus und gewann bestimmt den einen oder anderen Fan an diesem Tage dazu.
Danach wurde es Episch.
Die deutschen Folk-Metaller Sagenbringer schafften es mühelos, die Stimmung weiter anzuheben.
Mit epischem Folk Metal und deutschsprachigen Texten trafen Sagenbringer den Nerv des Rockharz-Publikums. Die optisch direkt aus einer Vikings-Folge entsprungenen Musiker waren gut aufgelegt und kamen gut an.
Danach war eine Band dran, die ich persönlich auf meiner Liste hatte.
Kontrovers betrachtet und für mich das weibliche Pendant zu der Band Ghost, kamen Dogma auf die Bühne.
Dogma setzten hierbei ganz klar auf dunkle Ästhetik und provokante Inszenierung. Die sakral wirkende Optik, der in aufreizenden Nonnen- oder Ordensgewänder gehüllten Musiker stand im Gegensatz zu den Bewegungen und Gesten, die eher provokant waren.
Musikalisch sind Dogma irgendwo zwischen Heavy Metal und Hard Rock angesiedelt.
Der starke optische Auftritt drohte stellenweise die Songs zu überstrahlen, dennoch waren viele Besucher textsicher und sangen mit.
Ein Act, der polarisiert – und genau dadurch im Gedächtnis bleibt.
Als Nächstes waren die Finnen von Warmen auf der Rock Stage dran.
Melodischer Death Metal mit anspruchsvollen Keyboardpassagen drang dort über das Infield.
Petri Lindroos, Sänger von Ensiferum, hatte dabei zwei Arbeitstage hintereinander, denn auch bei Warmen schwang er die Gitarre und sang. Gegründet von Children-of-Bodom-Keyboarder Janne „Warman“ Wirman, machte die Band auch gut Alarm auf der Bühne und dies wurde vom Publikum dankend angenommen.
Death-Metal scheint als polnischer Import verdammt gut zu funktionieren, denn Decapitated walzten mit chirurgischer Präzision über das Festivalgelände. Die Circle Pit Anzahl steig stetig an und auf der Bühne saß jeder Ton und jeder Groove traf ins Mark. Die Polen bewiesen eindrucksvoll, warum sie seit Jahren zur Speerspitze des technischen Death Metal gehören. Einer der härtesten und stärksten Auftritte des Tages bis hierhin.
Nachdem die letzten brutalen Klänge verklungen waren, wartete auf der Rock Stage deutschsprachiger Punkrock auf die Besucher.
Betontod aus Rheinberg, sind bereits seit 1990 auf den Bühnen des Landes unterwegs und haben sich seitdem, auch einen Namen gemacht. Betontod lieferten auch dann genau das, wofür sie geholt wurden: ehrliche Songs, viel Publikumsnähe und Refrains mit Mitsingcharakter.
Tausende Kehlen sangen mit, Fäuste reckten sich in den Himmel, es wurde gepogt, getanzt und gemoscht.
Festivalgefühl in Reinform.
Und dann wurde es Hart und direkt.
Die Harcore Legenden von Agnostic Front machten vom ersten Ton an Klar: Hier gibt es keine Gefangenen! Auch nach Jahren strotzt diese Band nur vor Energie. Die Legenden verzichten auf Schnörkel und liefern stattdessen einen energiegeladenen Abriss, der Mosh- und Circle Pits ohne Ende initiierte.
Agnostic Front machten das, wofür sie bekannt sind: Abriss pur - kurz, direkt und ohne Schnörkel und Kompromisse.
Vor zwei Jahren war die Band, die jetzt kam, noch das Betthupferl um ein Uhr nachts.
Jetzt standen sie bei strahlendem Sonnenlicht auf der Bühne und versuchten mit ihrem aktuellen Material und einer horrorinspirierten Bühnenoptik die Masse in ihren Bann zu ziehen.
Ja, Dominum gelang dies. Eigentlich sollten Dominum wieder als letzte Band spielen, hatten den Slot aber mit Hämatom kurzfristig getauscht. Die Band verstand es ausgezeichnet, auch bei Helligkeit Show und Musik miteinander zu verbinden und wurde von der Menge abgefeiert.
Mittlerweile sank die Sonne weiter und die Lichter auf der Bühne kamen besser zu Geltung.
Dies untermalte auf jeden Fall bestens den Auftritt der nächsten Band.
Avatar gehören zu den außergewöhnlichsten Livebands der Gegenwart.
Die Schweden aus Göteburg lieferten eine Lehrstunde in Sachen Bühnenperformance. Johannes Eckerström dominierte die Bühne mit charismatischer Präsenz, während die Band zwischen Groove Metal, Melodie und Wahnsinn pendelte.
Die Zuschauer hingen der Band förmlich an den Lippen und Optisch wie musikalisch war das, neben den vorangegangen Dominum, ein weiter Schritt in Richtung Headliner.
Bei Avatar wirkte jeder Song wie Teil eines düsteren Theaterstücks. Ein absoluter Höhepunkt des Donnerstags.
Doch eine Legende sollte die Rock Stage nun betreten.
Von mir und vielen tausend weiteren Menschen sehnlichst herbeigesehnt, betrat mit Zylinder, Gehstock und Gehrock kein Geringerer als Rock-Ikone Alice Cooper die Bühne.
Alice Cooper muss niemandem mehr etwas beweisen. Stattdessen zeigt der Schockrock-Pionier eindrucksvoll, weshalb seine Shows seit Jahrzehnten Maßstäbe setzen.
Guillotine, Monster, Theatralik und Klassische Hardrock-Hymnen.
Neben „Poison“, „Feed my Frankenstein” und „Schools Out” blieb vor allem der Nirvana Klassiker „Smells like Teen Spirit“ in Erinnerung, der von Alice Cooper als Hommage gecovert wurde.
Der Auftritt wirkte weniger wie ein Konzert als vielmehr wie eine perfekt inszenierte Rock-Theaterproduktion.
Das Publikum feierte jede Minute einen verdienten Headliner eines außergewöhnlich starken Festivaltages, der noch einen weiteren musikalischen Leckerbissen auf Lager hatte.
Eigentlich hätte mit Alice Cooper an diesem Tag alles gesagt sein sollen.
Der 78-Jährige zeigte keine Schwäche und steckt mit seiner Band noch so manche junge Band in die Tasche.
Hämatom, die diesem Spektakel folgten, hatten aber ihre Fanbase hinter sich und so war auch der Dark Stage nach Mitternacht noch einiges los.
Hämatom verwandelten die Dark Stage in einen Hexenkessel. Feuer, Pyrotechnik und kompromissloser Neue-Deutsche-Härte-Sound bildeten den perfekten Abschluss eines langen Festivaltages. Auch hier wurde ein Hit nach dem anderen in Richtung Besucher gedroschen, die mitsangen und tanzten. „Krawall und Remidemmi“ beschreibt das Treiben wohl ganz gut und Hämatom waren ein Finale, das das Publikum erschöpft, aber glücklich in die Nacht entließ.
Halbzeit! Bergfest.
Die ersten beiden Tage vergingen erschreckenderweise wie im Fluge und wir waren nun schon beim Rockharz Freitag angelangt. Wieder etwas früher als am vorigen Tag, nämlich um 11:20 Uhr sollte die erste Band auf der Bühne stehen.
Es gibt ja so Musiker, die können nicht nur in einer Band sein. Zu viel Energie, Hummeln im Hintern, Multikreativ, ADHS...wer weiß es schon.
Auf jeden Fall stand die Band Rodeo 5000 auf dem Plan und der Sänger erinnerte mich stark an Mr. Hurley ohne seine Pulveraffen, was daran lag, dass es mit Simon Erichsen eben jener selbe Sänger war. Statt Piratenoutfit nun eben mit Cowboyhut.
Redneck Randale war angesagt und die Mischung aus Country, Bluegrass und Rock kam zu früher Stunde schon gut an.
Der Tag wurde also standesgemäß eröffnet und Rodeo 5000 machten ihre Sache gut.
Schwungvoll ging es auch weiter, denn Haggefugg aus Köln knüpften an Rodeo 5000 was die Spielfreude und flotten Melodien anging nahtlos an. Auch wenn wir aus dem wilden Westen direkt ins Mittealter katapultiert wurden.
Man merkte schon, dass sich das Touren, auch mit Subway to Sally bei der Eisheiligen Nacht, gelohnt hatte, denn die Fanbase war treu und das Infield schon gut gefüllt.
Mit viel „Metgefühl“ wurde die Bühne zur Schänke und Haggefugg untermalten mit ihren Liedern dies eindrucksvoll, was die vielen mitsingenden Besucher dankend annahmen.
Nach unserem Ausflug in vergangene Zeiten wurde es nun Zeit für ein wenig klassischen Heavy Rock.
Motorjesus machten gleich Alarm und überzeugten mit druckvolle Gitarren, markanten Riffs und einer kompromisslosen Bühnenpräsenz. Als „Shitheadz“ 1990 in Mönchengladbach gegründet, entwickelte die Band sich zu einem Dauerbrenner auf den Festivalbühnen und hatte auch hier wenig Mühe, dass der Funke übersprang.
Optisch futuristisch, musikalisch kompromisslos ging es mit Melodic Death Metal weiter. Cypecore verbanden diese musikalischen Elemente mit einer Prise Industrial Elementen und lieferten eine technisch beeindruckende Performance ab.
Die Mannheimer brachten die Circle Pits zum Vorschein und es ballerte wirklich ordentlich aus den Boxen.
Ein erstes Lebenszeichen der härteren Schublade.
Dies ging auch bei der nächsten Band weiter und steigerte sich noch einmal.
Vielleicht lag es auch an der Sängerin, denn Britta von Hiraes war nicht nur Augenweide, sondern auch Ohrenweide zugleich.
Eine charismatische Person, die, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, soviel Energie auf die Menge übertrug. So viel, dass sie mit ihrem Gitarristen gleich selbst einen Circle Pit in die Gänge brachte, als sie die Bühne verließen, um im Infield ihr Unwesen zu treiben.
Kein Wunder, dass „Heaven shall Burn“ sie als Ersatz für den Etatmäßigen Sänger bei seiner Erkrankung holten.
Was für Growls! Was für eine Ausstrahlung! Was für eine Bühnenpräsenz!
Der Rest ist Geschichte und der Gig ein Abriss par excellence, der natürlich nur mit exzellenten Mitmusikern möglich war.
Einen Gang zurück und etwas mehr Gruselfaktor gab es danach bei Gothminister aus Norwegen.
Nebel, düstere Kulissen und jede Menge Theatralik, verwandelten die Bühne in ein Horror-Kabinett.
Eine düstere Welt untermalt mit den Alternative-Metal der Band fing die Menge schnell ein und bot einen optischen wie musikalischen Leckerbissen.
Abwechslung tut gut und so war es keine Überraschung, dass die nächste Band wieder lustig aus dem Genre-Karussell fiel.
Lustig deshalb, weil mit Rauhbein nun mal eine Band ist, die für Feierlaune steht.
Die Reibeisenstimme von Sänger Henry war unverkennbar und die Hessen brachten wieder ein wenig Licht in das Dunkel, das Gothminister kreiert hatten. Irgendwo zwischen Irish-Folk und Deutschrock, brachte die Band die Menge dazu ihre Songs mitzusingen und für Tanzeinlagen zu sorgen. Bodenständig, sympathisch und genau richtig für den Nachmittag.
Metalcore? Hardcore? Punk? Oder irgendwie von allem etwas? Dazu noch eine Sängerin die unter Strom zu stehen schien?
Das können nur Walls of Jericho aus Detroit sein.
Seit 1999 stehen Candace Kucsulain auf den Bühnen dieser Welt und wo sind, ist Alarm!
Da bleibt kein Auge trocken, kein Fuß steht still und so mancher Nacken brüllt um Gnade, wenn die Energie dieser Band auf die Besucher übergeht. Der Hardcore-Klassiker ließ die ersten Circle Pits des Tages eskalieren und wer hier stillstand, war klinisch tot!
Und weil Folk immer funktioniert, ging es gleich mit ebensolchen weiter.
Ein Tourmonster, das irgendwie immer irgendwo spielt, betrat die Bühne.
Fiddler´s Green setzte statt auf brachiale Härte, auf folkige Klänge. Kaum eine Band versteht es besser, Festivalpublikum innerhalb weniger Minuten zum Tanzen zu bringen und zwischen Folk-Punk und Party-Hymnen blieb kaum Zeit zum Durchatmen. Ich habe die Fiddler´s schon öfter gesehen und habe noch nie einen schlechten Auftritt gesehen. Wo sie sind, steppt der Bär!
Über die Hälfte der Bands des Freitags waren nun durch. Stetig steigerte sich die Energie, zerrte an einem und ließ wenig Zeit für eine Erholung.
Und das dicke Ende sollte erst noch kommen!
Die nächste Band, die auf dem Programm stand, waren die Apokalyptischen Reiter, eine Band die eigentlich jeder kennen sollte. Episch, verspielt und dennoch brachial. Die Thüringer lieferten eine abwechslungsreiche Reise durch ihr vielseitiges Repertoire. Frontmann Fuchs verstand es meisterhaft, das Publikum einzubinden, während die Band musikalisch nahezu mühelos zwischen Black-, Death- und Heavy-Metal pendelte. Zwischen „Reitermania“, „Die Sonne scheint mir aus dem Arsch“ und „Ghostriders in the sky“ war alles im Repertoire vertreten, dass man sich wünschen konnte.
Das, was danach kam, war unbändige, pure Energie.
Biohazard aus New York, die alten Hardcore-Legenden, betraten die Bühne, waren kaum zu halten und wie Derwische unterwegs.
Massive Grooves, knallharte Gitarren und sozialkritische Texte, die auch nach Jahren ihre Wirkung nicht verfehlen oder fehl am Platz erscheinen. Den Feiernden im Infield ist anzumerken, dass sie sich gerne von der Energie anstecken lassen. Mosh- und Circle Pits, Crowdsurfer… ein Hexenkessel angetrieben von Biohazard.
Wer jetzt dachte, das war schon ein Brett, der wurde durch die folgende Band überrascht und eines Besseren belehrt. Irgendwie unser Highlight des Tages, waren P.O.D. die Band, die es so richtig krachen ließ. Mit ihrem Mix aus Alternative Metal, Rap und Hard Rock lieferten P.O.D. einen angenehm abwechslungsreichen Kontrast zum restlichen Programm. Klassiker sorgten für nostalgische Momente, während die Band dennoch frisch und energiegeladen wirkte. Und wenn man als Band mit einem Song wie „Boom!“ anfangen kann und gefühlt alles am Hüpfen ist, dann ist wohl alles gesagt.
Was sollte jetzt noch kommen? Was sollte das bisher Gesehene noch toppen?
Klar alle wussten, wer noch kam, aber kamen sie am heutigen Tage auch an ihre Bestleistung heran? Nicht weniger mussten Sie leisten, um den Standard weiter hochzuhalten, den die bisherigen Bands gesetzt hatten.
Subway to Sally, das Leuchtfeuer des deutschen Folk Rock begann dieses Unterfangen in Angriff zu nehmen. Und auch wenn ob der neuen Sportart des „Surfing Crowsurfen“ (Menschen Surfen auf Crowdsurfen anderen Menschen) oder wie man es nennen mag etwas abgelenkt waren, sie meisterten die Aufgabe. Dies lag an der ungebrochenen Spielfreude und an der Setlist, die auch viele alte Klassiker beinhaltete.
Ein schöner Querschnitt durch das musikalische Repertoire der Band.
Eingespielt wie Sie seit Jahren sind, war dies eine einfache Aufgabe für eine Band wie Subway to Sally.
Wer auf Heavy / Hard Rock im Stile von AC/DC steht, kommt an Airbourne nicht vorbei. Die Australier um Sänger und Gitarrist Joel O’Keeffe betraten die Bühne und diese verwandelte sich sofort in ein Wespennest. Überall war Bewegung. Auf der Bühne, vor der Bühne und garantiert auch dahinter. Wirbelwind O’Keeffe sprang und lief über die Bühne, wenn er einmal nicht sang und legte vermutlich Kilometer während seines Auftrittes hinter sich.
Ein wilder, ungezügelter Auftritt der einigen noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Und dann war es so weit. Der Headliner des Abends stand auf dem Programm und wie bereits 2024 hieß dieser Kreator.
Mit Kreator kann man auch nicht viel falsch machen, haben sich die Ruhrpottmetaller doch an die Speerspitze des deutschen Thrash gespielt. Unzählige Alben, Songs, Touren und Auftritte liegen hinter Mille Petrozza und seinen Jungs und wo sind, da geht’s steil nach vorn. Mille Petrozza dirigierte die Massen souverän durch ein Thrash-Feuerwerk aus Klassikern wie „Pleasure to Kill“ und „Violent Revolution“ und neueren Songs. Gewaltige Pyrotechnik, perfekte Lightshow und ein Publikum, das jede Textzeile mitschrie, wenn sie nicht grad am Moschen war. Circle Pits bis weit in die hinteren Reihen und eine Band, die sich in absoluter Bestform präsentierte. Dazu noch ein Gastauftritt von Britta Görtz beim Song „Tränenpalast“ und die Thrash-Metal-Welt war glücklich!
Wer nach Kreator noch Reserven hat, konnte noch auf einen Absacker zum Saint City Orchestra bleiben. Saint City Orchestra lieferten den perfekten Abschluss des Festivaltages: Folk, Punkrock und jede Menge gute Laune. Vor und auf der Bühne wurde getanzt, gefeiert und gemeinsam der Freitag verabschiedet.
Was für ein Tag!
Bevor wir uns mit dem Rockharz Samstag und den Bands beschäftigen, möchten wir einmal auf das Drumherum ein wenig eingehen.
Ich möchte nicht auf die Preise der Versorger einprügeln. Mittlerweile sind die Preise fast überall so hoch, dass ein Großteil der schwer zusammengesparten Kohle für einen Becher Kaltgetränk oder eine Handvoll Pommes draufgeht. Es grenzt schon an Wahnsinn, wieviel man für ein kleines Stück Pizza ausgeben muss. Wenn der ganze Kram dann noch wenigstens schmecken würde, aber viele Stände kommen an ihre Grenzen und das Essen wird praktisch durchgewunken.
Aber wie gesagt, das ist leider fast überall die gleiche Szenerie.
Stände waren auf jeden Fall genug da. Egal ob Kleidung, Merchandise, Schnick-Schnack oder CDs, Platten etc. Jeder ist bestimmt mit dem einen oder anderen nach Hause gefahren, so auch wir.
Die Wasserstellen waren gut verteilt und wir haben nichts über eine prekäre Toilettensituation mitbekommen. Generell war die Stimmung gut und ausgelassen und das sah man den Besuchern an.
Inklusion wurde wie immer großgeschrieben und die Wege und Rolli-Rampe sind dementsprechend ausgelegt.
Hinter dem FOH-Turm war eine Leinwand angebracht, wo man das Konzert in Biergartenstimmung genießen konnte.
Natürlich konnte auf dem Rockharz auch wieder geheiratet werden, was einige Paare taten. An dieser Stelle unsere Glückwünsche und alles Gute für die Zukunft!
Die Wege vom Zeltplatz zum Infield waren gewohnt kurz und der Marsch hoch zur Teufelsmauer gehörte genauso für viele dazu, wie die Rockharz Joggingtruppe oder die Cantina Band.
Alles in allem war das Festival gut durchgeplant, zumindest das, was Planbar war. Beschwerden kamen uns nicht zu Ohren und somit kann man wohl von einem Erfolg sprechen, der in einem Rekordverdächtigen Sold-Out für 2027 kurz nach Vorverkaufsbeginn gipfelte.
Kommen wir aber nun zum letzten Tag des Rockharz: den Samstag.
Wieder um 11:20 Uhr begann das bunte Treiben auf der Bühne.
Pinhead aus Berlin bzw. Hannover gaben mit ihrem Metalcore gleich mal den Takt vor und sorgten für erste schweißtreibende Bewegungen auf dem Infield. Eingesprungen waren sie für „Watch me rise“, die eiegntlich angekündigt waren. Noch war das Infield überschaubar gefüllt, doch die Frühaufsteher erlebten eine motivierte Band, die einigen Nackenmuskeln am Beginn des Tages bereits einiges abverlangten.
So wie man es beim Rockharz kennt, ging es Schlag auf Schlag weiter.
Drone machten da weiter, wo Pinhead aufhörten, nämlich die Nackenmuskeln zu strapazieren.
Mit ordentlich Druck machten Sänger Mutz und Kollegen dem Publikum Beine.
Dabei setzen sie auf moderne Härte und präzise Grooves. Technisch sauber und mit ordentlich Karacho gelingt es den Jungs aus Celle schnell, auch die letzten Kaffeebecher gegen erhobene Fäuste und Pommesgabeln einzutauschen.
Auch mit der schönen Anekdote, dass Mutz von den Grabenschlampen von der Bühne abgeführt wurde. Vermutlich um wieder als Stagehand weiterzuarbeiten, was er auch tat, wenn er nicht selbst auf der Bühne steht.
Tailgunner hieß die nächste Band und ich durfte Sie bereits zweimal auf dem Rock in Rautheim erleben, wo sie noch ein Geheimtipp waren. Mittlerweile nicht mehr so geheim, war das Infield schon gut gefüllt, um den NWOBHM zu lauschen, den die noch junge Kapelle da abfeuerte. So mussten Iron Maiden in jungen Jahren gewesen sein, denn auch der Name rührt von den großen Vorbildern her. Energetisch, treibend und spielfreudig präsentierten sich die Engländer und hatten die Menge schnell im Griff und einige weitere Fans gewonnen.
Im Anschluss zogen erstmal dunkle musikalische Wolken auf, denn jetzt wurde es ernst: Necrotted walzten mit ihrem messerscharfem Death Metal über das Publikum hinweg. Blastbeats, Breakdowns und ein brachialer Sound machten klar, dass der Nachmittag keine Gefangenen nimmt. Sänger Fabian Fink und seine Abtsgmünder Meute machten kurzen Prozess mit den Trommelfellen der Menge. Ein absoluter Abriss, der den Besuchern gefiel.
Die Schweden Tungsten, die im Anschluss ihren Auftritt hatten, ließen aber die dunklen Wolken wieder verschwinden. Melodischer Power Metal mit Folk- und modernen Einflüssen hallte über das rund und die Mimik und Gestik der Musiker verlieh der Musik noch etwas mehr Ausdruckskraft. Besonders Bassist Karl „Kalle“ Johansson hatte sichtlich seinen Spaß. Tungsten brachten mit ihren eingängigen Refrains eine positive Grundstimmung auf die Rock Stage. Genau der richtige Kontrast zur vorherigen Abrissbirne.
Es folgte Frauen-Power aus Brasilien, denn Crypta demonstrierten eindrucksvoll, warum sie mittlerweile zur Speerspitze des modernen Death Metal gehören. Auch wenn die Mimik von Sängerin Fernanda Lira perfekt zu einem Haka gehören könnte, ballerten die Damen los und alles in Grund und Boden. Rasiermesserscharfe Riffs, beeindruckende Präzision und eine enorme Bühnenpräsenz sorgten für Jubelstürme und darin, dass Fernanda im Anschluss noch durch den Graben ging, um für Fotos den Gästen zur Verfügung zu stehen. Ein fantastischer Auftritt!
Ein Ur-Gestein des Thrash Metal war dann an der Reihe.
Artillery aus Dänemark zeigten, dass man auch als alte Haudegen noch lange nicht zum alten Eisen gehört! Die Thrash-Veteranen ließen keine Zweifel daran, dass Geschwindigkeit und Präzision zeitlos sind. Klassiker und neuere Songs verschmolzen zu einem energiegeladenen Set, das besonders die Old-School-Fraktion begeisterte.
Bleiben wir in den nördlichen Gefilden, denn die nächste Combo kam aus Schweden.
Bombast, Melodie und ein Lächeln im Gesicht – Majestica feierten den Power Metal in seiner reinsten Form. Keyboardflächen und hymnische Refrains trafen auf eine Band, die sichtbar Spaß daran hatte, das Publikum mitzunehmen. Sänger Tommy Johansson war dabei die Galeonsfigur, der Band und Menge antrieb und diesen Auftritt für viele Fans noch lange in Erinnerung bleiben ließ.
Und dann war auch schon Halbzeit vom letzten Tag Rockharz.
Ein wenig Wehmütig waren wir jetzt schon alle. Die Zeit raste dahin, grad noch gefühlt angekommen, war es jetzt schon wieder fast vorbei. Rockharz könnte auch gerne fünf oder sechs Tage gehen. Aber ein paar Bands waren ja noch zu erleben und die nächste Band aus Halle ließ es wieder richtig krachen.
Annisokay spielten Metalcore mit emotionaler Wucht. Sie überzeugten durch moderne Produktion, intensive Screams und starke Clean-Vocals. Vor der Bühne entwickelten sich einer der aktivsten Moshpits des Nachmittags und der Jubel der Besucher zeigte, dass die Band gut ankam. Ein starker Auftritt der Jungs aus Sachsen-Anhalt.
Zurück in die dunklen Wälder des Nordens, wo Finntroll schon auf einen warteten.
Was war das bitte schön für ein geiler Auftritt!
Das letzte Mal, dass ich die Finnen aus Helsinki gesehen hatte, war schon etwas her. Aber ich erinnerte mich daran, dass danach kein Stein auf dem andern stand. Auch hier war das so. Kaum erklangen die ersten Folk-Melodien, verwandelte sich das Infield in eine einzige tanzende Polonaise. Finntroll verbinden ihre typische Mischung aus Humppa und Black Metal zu einer ausgelassenen Party, die dennoch genügend Härte besitzt. Und die Show mit Nebel und Licht, die spitzen Ohren der Musiker und der Gesamteindruck, waren absolut sehen- und hörenswert.
Der Kanadier Danko Jones, Kopf des gleichnamigen Trios, war im Anschluss an die Humppa Party an der Reihe.
Keine Spielereien, keine Showeffekte – nur purer Rock'n'Roll. Danko Jones lieferten exakt das, was man erwartete: schnörkellose Riffs, große Hooks und einen Frontmann, der das Publikum spielend im Griff hatte. Spielfreude, vor allem bei Basser John Calabrese, stand ebenfalls ganz oben auf der Liste und die übertrug sich spielend auf die Besucher.
Dann wurde der rote Teppich ausgerollt, denn die Queen of Heavy Metal betrat die Bühne.
Doro Pesch, ehemals Frontfrau von Warlock, ist trotz ihres nicht mehr jugendlichen Alter immer noch ein Energiebündel. Immer ein Lächeln auf den Lippen schmetterte sie einen Hit nach dem anderen ihrer langjährigen Karriere von der Bühne. Natürlich auch „All we are“ und „Für immer“ die immer noch zu den Favoriten gehören und von allen mitgesungen wurden. Mit ihrer unverwechselbaren Stimme, großer Fan-Nähe und Klassikern zum Mitsingen verwandelte Doro die Dark Stage in ein Meer aus erhobenen Pommesgabeln und leuchtenden Augen.
Dann wurde es klamaukig. Und wild. Und fantastisch.
Die meiste Band der Welt enterte die Bretter die Welt bedeuten mit einem einzigen Auftrag: Das Rockharz in Grund und Boden zu rocken!
Knorkator waren von Anfang präsent, Stumpen zog sich nach und nach aus und verbog seinen Körper zum Gesang wie ein Schlangenmensch. Der Wahnsinn hatte einen Namen: Knorkator! Albern? Natürlich. Musikalisch über jeden Zweifel erhaben? Ebenfalls. Kaum eine Band schafft es, Humor und musikalische Klasse derart selbstverständlich miteinander zu verbinden. Und als die Fotografen dann noch mit auf die Bühne dürfen, nur um dann mit Schwimmschlangen von der Band verprügelt zu werden, war der Zenit erreicht. Eine einzige Party mit einer großen Menge Mitsingsongs und viel Freude!
Von so viel purer Lebensfreude und Lustigkeit direkt zur Düsternis in Reinform.
Mittlerweile sank die Sonne immer tiefer und das Ende vom Rockharz 2026 näherte sich unausweichlich.
Dann wurde es schlagartig dunkel. Emperor entfesselten eine monumentale Black-Metal-Messe voller Atmosphäre und technischer Perfektion. Die Norweger verzichten weitgehend auf große Ansagen und ließen stattdessen ihre Musik sprechen – ein intensives, fast schon spirituelles Erlebnis, dass lichttechnisch sehr blau und neblig gehalten wurde. Für Fotografen nicht das schönste Erlebnis, aber für Liebhaber der Musik ein wahres Fest.
Danach wurde es vorerst einmal melancholisch.
Thorsten „Buddy“ Kohlrausch und Crew waren auf die Bühne gekommen, um sich zu bedanken, ein paar Worte an die Besucher zu richten und die 30-Jährige Partnerschaft mit Metal.de zu feiern.
Im letzten Jahr hatte er hier noch vor tausenden Menschen seiner Dani einen Heiratsantrag gemacht. Heute war viel Dank der Hauptgrund für seine Worte. Das Infield bedankte sich auf seine Art und Weise, mit viel Jubel und Applaus und dem Versprechen, im nächsten Jahr wiederzukommen.
Direkt im Anschluss war es soweit: Headliner Samstag Rockharz 2026.
Als Headliner auf der Rock Stage lieferte Feuerschwanz die wohl größte Party des gesamten Festivals. Flammen, Pyrotechnik, Mitsing-Refrains und eine perfekt eingespielte Band verwandeln das Infield in einen einzigen Hexenkessel. Zwischen augenzwinkerndem Humor und epischer Inszenierung beweisen die Franken endgültig, dass sie längst in der ersten Liga deutscher Festival-Headliner angekommen sind. Als Sänger Ben vom Tod seiner Mutter erzählt und dass ihm das Rockharz bei ihrem ersten Auftritt vor 18 Jahren dort so viel Kraft für die am nächsten Tag bevorstehende Beerdigung gab, blieb kein Auge trocken. Das Publikum feiert jede Zeile, jede Melodie und jede Feuerfontäne – ein triumphaler Abschluss auf der Hauptbühne.
Eine letzte Band gab es noch.
Soen aus Schweden waren als letzte Band des Festivals bereit, die Lichter für dieses Jahr erlöschen zu lassen.
Während auf der Rock Stage noch der Nebel in der Luft hängt, beschließen Soen den Samstag mit einer völlig anderen Atmosphäre. Die Progressive-Metaller setzen auf Dynamik statt Lautstärke, auf Emotion statt Spektakel. Elegante Gitarrenarbeit, komplexe Arrangements und die eindringliche Stimme von Joel Ekelöf sorgen für einen geradezu hypnotischen Ausklang. Wer nach dem Bombast von Feuerschwanz noch Kraft für eine letzte Reise hatte, wurde mit einem der musikalisch anspruchsvollsten Konzerte des Wochenendes belohnt.
Für uns war es dann auch vorbei mit dem Rockharz 2026.
Es wurde sich zum Abschied umarmt, Tränen standen in den Augen, aber auch erschöpfte Gesichter, die nach vier oder fünf Tagen viel gesehen und erlebt hatten.
Was bleibt sind viele Erinnerungen. Viele Momente, die wir nicht vergessen werden und für die wir dankbar sind.
Wir sind dankbar ein Teil dieser erlesenen Gemeinschaft bestehend aus Presseteam, Veranstalter, Crew, Security, Grabenschlampen, Besuchern und Ständen zu sein, die Jahr für Jahr diese vier Tage zu etwas Besonderem machen.
Dankbar für die Zeit voller Freude und Gemeinschaft.
Wir hoffen, ihr hattet ebenfalls viele tolle Momente und das wir uns alle im nächsten Jahr wiedersehen.
Beim Rockharz 2027 – im Schatten der Teufelsmauer!
See ya!


 
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